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Medizinstudium bei der Bundeswehr: Arzt in Uniform

Stethoskop

Medizin zählt zu den beliebtesten Studiengängen in Deutschland, die Studienplätze sind begrenzt und hart umkämpft. Einen alternativen Zugang zum Medizinstudium bietet die Bundeswehr in Deutschland, die jährlich rund 250 Studienplätze im Bereich Medizin vergibt. Dennoch sollte die Entscheidung durchdacht sein. Dieser Meinung ist auch Medizinstudent Lars, dem wir Fragen zu seinen persönlichen Erfahrungen, seinem Bewerbungsprozess und seinem Studium bei der Bundeswehr gestellt haben.

Studieren bei der Bundeswehr: Der Weg zur Entscheidung

Das Medizinstudium bei der Bundeswehr unterscheidet sich in einigen Punkten von dem regulären Medizinstudium an einer staatlichen Universität. Die Abiturnote steht nicht an erster Stelle, die Semester werden mit ca. 1.800 € netto im Monat entlohnt und der Arbeitsplatz ist langfristig gesichert. Unser Interviewpartner Lars befand sich zum Zeitpunkt unseres Gesprächs am Ende seines 9. Semesters, kurz vor dem zweiten Staatsexamen. Er bereut seine Entscheidung bis heute nicht, doch diese hat er fünf Jahre zuvor sorgfältig abgewogen.

Um eine Entscheidung treffen zu können, beesuchte Lars Jobmessen, sprach unter anderem mit der Polizei sowie der Bundeswehr an den jeweiligen Ständen und recherchierte im Internet. Auf diese Weise kristallisierte sich nach und nach der Wunsch nach einem Medizinstudium bei der Bundeswehr heraus.

Medizinstudent Lars
Medizinstudent Lars © Foto: privat

Siebzehn Jahre lange Verpflichtung bei der Bundeswehr

Wer bei der Bundeswehr Medizin studiert, verpflichtet sich für 17 Jahre. Diese bestehen aus sechs Jahren Studium und elf Jahren Dienst, daher sollte es eine sehr bewusste und gut überlegte Entscheidung sein. Lars geht damit entspannt um, für ihn ist ein sicherer Arbeitsplatz in der heutigen Zeit Luxus.

Kein Numerus Clausus, sondern Auswahlverfahren

Bei der Bundeswehr ist die Abiturnote nur ein Kriterium von vielen. Der TMS spielt keine Rolle, aber es werden vergleichbare Eigenschaften im Assessmentcenter geprüft.

Zu Beginn des Bewerbungsprozesses muss rechtzeitig ein Beratungsgespräch vereinbart werden. Mehr Informationen dazu findest du auf der Karriere-Seite der Bundeswehr.

Medizinstudium-Eignungstest in Köln

Ein Teil aller Bewerberinnen und Bewerber wird zur Aufnahmeprüfung an das Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in Köln eingeladen. Drei Tage lang wird dort getestet, ob sich die Teilnehmer*innen für das Medizinstudium beim Bund eignen. In dieser Zeit wird eine Unterkunft von der Bundeswehr gestellt.

Lars fasst den Ablauf des Auswahlverfahrens zusammen: „Am ersten Nachmittag haben wir viele Vorträge gehört. Im Fokus stand der Beruf des Soldaten mit allen Vor- aber auch allen Nachteilen. Am zweiten Tag war das Ziel, die Offizierseignung zu erhalten. Kurz zusammengefasst sollte man z.B. in Gruppensituationsverfahren oder in einem Interview zeigen, dass man charakterlich für den Beruf des Soldaten und als Offizier geeignet ist. Am dritten Tag drehte sich alles um die Studieneignung. Hier wurden einige Computertests durchgeführt und es gab ein Abschlussgespräch mit einer erfahrenen Ärztin.”

Sein Ergebnis der Aufnahmeprüfung hat Lars am Tag seiner mündlichen Abiturprüfungen erhalten. Der Studienplatz war ihm sicher. Lars ist überzeugt davon, dass sich dies positiv auf den Ablauf der Abiturprüfung ausgewirkt hat.

Ablauf des Medizinstudiums bei der Bundeswehr

Im ersten Abschnitt absolviert man seine Grundausbildung bei der Bundeswehr. Die Grundausbildung ist Voraussetzung für jeden angehenden Soldaten und jede Soldatin. Hat man diese Ausbildung nach drei Monaten abgeschlossen, wechselt man zu seinem Studienort.

Wahl des Studienorts für das Medizinstudium

Jede*r kann Wunschorte für das Medizinstudium angeben. Ob man Glück hat und an einem der gewünschten Orte landet, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Lars spricht von den drei Zauberworten: Eignung, Leistung und Befähigung. Nach diesen drei Kriterien erhalten die Bewerberinnen und Bewerber Creditpoints. Die Person mit der höchsten Punktzahl darf zuerst die Wahl treffen und so geht es nach absteigenden Creditpoints weiter.

Bei Lars lief es zunächst anders als geplant: „Bei mir wurde es keiner dieser drei Orte, jedoch fanden wir einen sehr guten Kompromiss und so bin ich nach Würzburg gekommen. Im Nachhinein betrachtet eine wunderbare Entscheidung, ich kann diesen Studienort wärmstens weiterempfehlen!”

Medizin studieren und Punkte sammeln – die Creditpoints

Das Sammeln von Creditpoints beginnt im Bewerbungsverfahren und setzt sich während Ausbildung und Studium fort. Die Punkte sind entscheidend für den Werdegang des Bewerbers bzw. der Bewerberin. Creditpoints erhalten die Studierenden für Leistungen wie zum Beispiel für die Noten in den Staatsexamina, beim Offizierslehrgang aber auch für soldatische Leistungen.

Anhand der vergebenen Creditpoints wird ein Ranking erstellt, nach dem die Studierenden wie beim Studienort der Reihe nach diverse Wahlmöglichkeiten haben. Die Optionen hängen von der Bedarfsplanung ab – gemeint ist zum Beispiel die Vergabe der Facharztausbildungen.

Freie Zeit in den Semesterferien?

In den verschiedenen Abschnitten des Studiums absolvieren die angehenden Soldatinnen und Soldaten zusätzliche Praktika und Lehrgänge während der Ferien. Die Universität fordert wird bis Ende des vierten Semesters den Nachweis eines dreimonatigen Pflegepraktikums. Zusätzlich ist man von der Bundeswehr aus auf einem einmonatigen Offizierslehrgang in München.

Innerhalb des fünften bis zehnten Semesters müssen die Studierenden im Rahmen der universitären Ausbildung vier einmonatige Famulaturen ableisten. Es handelt sich um Praktika im Bereich Krankenversorgung und Patientenpflege, bei denen praktische, medizinische Erfahrungen gesammelt werden. Von der Bundeswehr wird in diesen zweieinhalb Jahren die Teilnahme an einem einmonatigen Truppenpraktikum gefordert.

Überschreiten der Regelstudienzeit

Die Bundeswehr sieht es vor, dass man das Medizinstudium innerhalb der vorgegebenen Regelstudienzeit (6 Jahre) schafft. Sollte es unerwartet zu einem zusätzlichen Semester an der Universität kommen, muss man bei seinem*seiner Disziplinarvorgesetzten antreten und sich gut erklären.

Zum Glück kommt sowas nur selten vor, weiß Lars: „Grundsätzlich wird man dafür bezahlt zu studieren. Dadurch hat man eine ganz große Sorge und Ausrede weniger, warum man keine Zeit hatte, sich genügend auf eine Klausur vorzubereiten. Außerdem hat man von Seiten der Uni mehrere Versuche für eine Prüfung, sodass schon einige unglückliche Faktoren zusammenkommen müssen, dass es zu einem Zusatzsemester kommt.”

Facharztausbildungen bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr bietet fast alle Facharztausbildungen an. Die Auswahl ist jährlich vom Einplanungsjahr abhängig. Das bedeutet, dass der Bund langfristig im Voraus plant, welche Ärztinnen und Ärzte wann gebraucht werden. Nach diesem Bedarf richtet sich das Angebot an Plätzen. Die Vergabe der Facharztausbildungen richtet sich nach dem Ranking der Creditpoints, die die Studierenden im Studium gesammelt haben.

Was kommt nach dem Medizinstudium bei der Bundeswehr?

Nach dem Medizinstudium an der Universität folgt die medizinische Weiterbildung in einem Bundeswehrkrankenhaus. Anschließend beginnt die Truppenarztzeit.

Lars erzählt: „Nach wenigen Jahren kommt man in die Truppenarztzeit – quasi der Hausarzt in der Kaserne. Hier spielen bei der Ortswahl persönliche Faktoren eine große Rolle und es wird natürlich versucht, auf verheiratete Paare oder Kinder Rücksicht zu nehmen. Dies ist auch die Zeit, in der wir Bundeswehr-Ärzte in der Regel in einen Auslandseinsatz gehen könnten.”

Auslandseinsätze sind während der Laufbahn möglich

Es kann jederzeit möglich sein, dass Deutschland die Notwendigkeit in Betracht zieht, Soldatinnen und Soldaten ins Ausland zu schicken. Dessen sollte sich jede*r Bewerber*in für ein Medizinstudium bei der Bundeswehr bewusst sein.

Lars geht mit dieser Tatsache bewusst und entspannt um. Er fokussiert sich auf die Aufgabe, die ihm das Studium an der Universität und die Ausbildung bei der Bundeswehr lehrt: Leben erhalten, schützen, retten und im Notfall wiederherstellen.

Am Ende der Ausbildung

Am Ende der Ausbildung wird der Soldat oder die Soldatin zurück in ein Krankenhaus der Bundeswehr geschickt, um dort die medizinische Weiterbildung abzuschließen. Nach insgesamt siebzehn Jahren, für die sich Lars bei der Bundeswehr verpflichtet hat, wird er ein ausgebildeter Offizier und studierter Arzt sein.

Medizin bei der Bundeswehr studieren – ein Erfahrungsbericht

Das Medizinstudium bei der Bundeswehr bringt viele Vorteile, aber auch Nachteile mit sich. Im Vorfeld sollte sich jede Bewerberin und jeder Bewerber intensiv mit den Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Lars hat sich nach sorgfältigem Überlegen und Informieren für das Medizinstudium bei der Bundeswehr entschieden und ist mit seiner Entscheidung glücklich.

STARK Verlag: Wie kam es dazu, dass du dich für ein Medizinstudium bei der Bundeswehr entschieden hast?

Lars: In meiner Jugend waren vor allem Berufe mit besonderen Herausforderungen und einem gewissen Maß an Aktion interessant für mich. Es war für mich klar, dass ich unbedingt Verantwortung übernehmen wollte. Ich denke, dass die Bundeswehr in meiner Funktion als Sanitätsoffizier genau diese Komponenten miteinander verbindet. Deshalb habe ich mich beworben und bin glücklicherweise genommen worden. Natürlich war das nicht meine einzige Bewerbung, aber es war die Zusage, bei der mein Herz am höchsten geschlagen hat.

Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass man sich für siebzehn Jahre verpflichtet hat?

Ich persönlich empfinde das gar nicht als schlimm. Natürlich muss es eine sehr bewusste und wohl durchdachte Entscheidung sein, aber meine medizinische Aus- und Weiterbildung nimmt so viel Zeit in Anspruch, da vergehen die Jahre wie im Flug. Was viele Kritiker nicht sehen: Ich habe 17 Jahre einen sicheren Arbeitsplatz. Das ist ein Luxus, den nicht viele genießen können.

Welchen Abiturschnitt hattest du?

Eine gute Frage… ich glaube 1,4. Ich habe die Zusage am Tag meiner mündlichen Abiturprüfungen erhalten. Ein sehr entspannender Gedanke, der sich sicherlich auf die nachfolgenden Prüfungen ausgewirkt hat. Aber der Abiturschnitt ist bei dem Auswahlverfahren der Bundeswehr nur ein Teil der Auswahlkriterien.

Du warst für deine Aufnahmeprüfung an der Offiziersbewerberzentrale in Köln. Kannst du uns den Ablauf schildern?

Man wird an das Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr nach Köln eingeladen. Hier absolviert man mit vielen Bewerberinnen und Bewerbern ein zweieinhalbtägiges Auswahlverfahren. Am ersten Nachmittag haben wir viele Vorträge gehört. Im Fokus stand der Beruf des Soldaten mit allen Vor- aber auch allen Nachteilen.

Am zweiten Tag war das Ziel, die Offizierseignung zu erhalten. Kurz zusammengefasst sollte man z.B. in Gruppensituationsverfahren oder in einem Interview zeigen, dass man charakterlich für den Beruf des Soldaten und als Offizier geeignet ist.

Am dritten Tag drehte sich alles um die Studieneignung. Hier wurden einige Computertests durchgeführt und es gab ein Abschlussgespräch mit einer erfahrenen Ärztin.

Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

In Erinnerung ist mir geblieben, dass sich manche Bewerber*innen besonders profilieren wollten und sehr künstlich gewirkt haben. In der Grundausbildung habe ich von diesen Kandidatinnen und Kandidaten keinen wieder gesehen. Mein Tipp an alle Interessierten: Gebt euch wie ihr seid, so wie ihr euch wohl fühlt, denn dann habt ihr die besten Chancen!

Hattest du verschiedene Wahlmöglichkeiten, als es um deinen Studienort ging?

Die Wahlmöglichkeiten richteten sich nach den drei Zauberworten: Eignung, Leistung und Befähigung. Man erhält entsprechend der Leistungen bei dem Auswahlverfahren Creditpoints und anhand dieser wird ein Ranking aufgestellt. Der Erste aus dem Jahr darf sich aus allen bei der Bundeswehr verfügbaren Studienorten seinen Wunschort aussuchen. Dann ist der Zweitbeste an der Reihe usw.

Ich hatte drei potenzielle Studienorte anhand von Rezensionen aus dem Internet und persönlichen Präferenzen in die engere Wahl genommen. Bei mir wurde es keiner dieser drei Orte, jedoch fanden wir einen sehr guten Kompromiss und so bin ich nach Würzburg gekommen. Im Nachhinein betrachtet eine wunderbare Entscheidung, ich kann diesen Studienort wärmstens weiterempfehlen!

Bietet die Bundeswehr während des Studiums eine Unterkunft? Wie läuft das ab? Was darf man sich darunter vorstellen?

Ich weiß nicht, wo dieses Gerücht herstammt, aber man hört es häufiger. Ich wohne in meiner eigenen Wohnung und zahle ganz normal Miete, wie jeder andere Student auch. Eine Wohnung bekommen wir während des Studiums von der Bundeswehr nicht gestellt.

Grundsätzlich stellt die Bundeswehr eine Unterkunft, wenn ich im Rahmen einer Kommandierung an einen anderen Ort muss. Das kann man mit einer zivilen Dienstreise vergleichen – aber da kümmern sich gute zivile Arbeitgeber auch um eine Unterkunft für ihre Mitarbeiter*innen. Man reist schließlich aus beruflichem Interesse für den Arbeitgeber. Das kommt bei uns zum Beispiel vor, wenn wir unsere praktische Ausbildung im Rahmen von Famulaturen in einer der Bundeswehrkrankenhäuser absolvieren.

Als wie stressig wertest du dein Studium? Wie hoch ist der Druck?

Ich sage immer: Niemand bekommt im Leben etwas geschenkt. Natürlich muss man viel Energie und Zeit investieren, um das Studium – und gerade das Medizinstudium – zu absolvieren. Jeder muss sich überlegen, was man bereit ist für seine Ziele einzugehen. Aber das Ziel ist es absolut wert.

Man verpflichtet sich, möglichst innerhalb der Regelstudienzeit zu bleiben, dafür erhält man ein regelmäßiges Einkommen und muss nicht nebenher arbeiten. Wenn ich sehe, wie viele Kommilitonen sich neben dem Studium noch ihr Geld verdienen müssen... Jeder muss für sich entscheiden, welcher Druck größer ist.

Wie sehen eure Semesterferien aus? Wie viel Freizeit habt ihr?

Vor dem Physikum – also bis Ende des vierten Semesters – muss von Seiten der Universität ein dreimonatiges Pflegepraktikum abgeleistet sein. Von Seiten der Bundeswehr ist man zusätzlich einen Monat lang auf dem Offizierslehrgang in München, da man nach drei Jahren in der Regel zum Leutnant befördert wird.

Zwischen dem fünften und dem zehnten Semester müssen von der Universität vier jeweils einmonatige Famulaturen abgeleistet werden, in denen man praktische, medizinische Erfahrung sammelt. Bei der Bundeswehr macht man zusätzlich ein einmonatiges Truppenpraktikum.

Wie du siehst haben wir eigentlich fast normale studentische Semesterferien. Natürlich kann man darüber hinaus freiwillige Famulaturen oder Praktika machen.

Es gibt ein eigenes Bewertungssystem bei der Bundeswehr, bei dem Punkte nach Leistungen vergeben werden. Kannst du kurz zusammenfassen, wie dieses Wertungssystem funktioniert?

Grundsätzlich erhalte ich für alle berücksichtigungsfähigen Leistungen einen äquivalenten Betrag an Creditpoints, so zum Beispiel für die Noten in den Staatsexamina, beim Offizierslehrgang aber auch für die ganzen soldatischen Leistungen, die man das Jahr über erbringt.

Anhand der Anzahl der Punkte wird ein Ranking erstellt und dann kann nach der Reihenfolge des Rankings aus den angebotenen Möglichkeiten ausgesucht werden. Diese Möglichkeiten richten sich nach der Bedarfsplanung in den entsprechenden Bereichen, die von der Verwaltung der Bundeswehr für das aktuelle Jahr ermittelt werden.

Was wäre, wenn du dein Studium nicht in der Regelstudienzeit schaffen würdest?

Grundsätzlich wird man dafür bezahlt zu studieren. Dadurch hat man eine ganz große Sorge und Ausrede weniger, warum man keine Zeit hatte, sich genügend auf eine Klausur vorzubereiten. Außerdem hat man von Seiten der Uni mehrere Versuche für eine Prüfung, sodass schon einige unglückliche Faktoren zusammenkommen müssen, dass es zu einem Zusatzsemester kommt.

Ich habe ehrlich gesagt bisher keines benötigt, von daher kann ich nicht aus Erfahrung sprechen, aber man muss natürlich bei seinem Disziplinarvorgesetzten antreten und das Zusatzsemester erklären. Wenn es eine adäquate Begründung dafür gibt, wird einem sicherlich nicht der Kopf abgerissen, aber es sollte sich auf keinen Fall wiederholen.

Weißt du schon, in welchem Bereich du deine Facharztausbildung machen wirst? Hast du tatsächlich eine Wahl oder wird das vorgegeben?

Ich glaube, ich möchte mittlerweile ganz klassisch Allgemeinmediziner werden. Aber das ändert sich je nach Stimmungslage. Auch die Facharztvergabe wird anhand der Eignung, Leistung und Befähigung in Form eines Creditpointsystems vergeben. Angeboten werden fast alle Facharztweiterbildungen und die Anzahl der Plätze richtet sich sehr nach dem Bedarf im entsprechenden Einplanungsjahr. In der Regel finden die Kameraden von der Einplanung aber immer einen für alle Beteiligten zufriedenstellenden Kompromiss.

Wie stehst du möglichen Auslandseinsätzen gegenüber?

Man darf nie vergessen, dass an erster Stelle der Beruf des Soldaten steht und an zweiter Stelle der Beruf des Arztes. Ab dem ersten Tag muss einem auch das Risiko eines Auslandseinsatzes bewusst sein.

Die Bundeswehr in Deutschland ist eine Parlamentsarmee und wenn der Bundestag, der die mehrheitliche Meinung des Volkes wiederspiegelt, einen Auslandseinsatz für sinnvoll und notwendig erachtet und diesen genehmigt, stehe ich mit voller Überzeugung dahinter.

Außerdem ist mein zusätzlicher Auftrag als Arzt, Leben und Gesundheit zu erhalten, zu schützen oder im schlimmsten Fall zu retten und wiederherzustellen. Dazu werde ich sehr gut ausgebildet und dem kann ich besonders viel abgewinnen.

Stimmt es, dass man damit rechnen muss, häufiger den Wohnort wechseln zu müssen?

Man wechselt in der Regel zu jedem Ausbildungsabschnitt den Wohnort. Die 17 Jahre sind so aufgeteilt, dass man zuerst die Grundausbildung der Bundeswehr absolviert, dann an den Studienort wechselt. Mit Studienabschluss wird man an eines der Bundeswehrkrankenhäuser versetzt und geht der medizinischen Weiterbildung nach.

Nach wenigen Jahren kommt man in die Truppenarztzeit – quasi der Hausarzt in der Kaserne. Hier spielen bei der Ortswahl persönliche Faktoren eine große Rolle und es wird natürlich versucht, auf verheiratete Paare oder Kinder Rücksicht zu nehmen. Dies ist auch die Zeit, in der wir Bundeswehr-Ärzte in der Regel in einen Auslandseinsatz gehen könnten.

Zum Schluss der 17 Jahre kommt man nochmal wenige Jahre an eines der Bundeswehrkrankenhäuser und beendet seine medizinische Weiterbildung. Letztendlich kommt man viel rum, das ist richtig. Aber wer sich der Illusion hingibt, dass das zivil großartig anders wäre, der liegt meiner Meinung nach nicht richtig.

Inwieweit ist man schlussendlich Soldat und inwieweit Arzt?

Wie gesagt, man ist immer in erster Linie Soldat, mit allen soldatischen Rechten und Pflichten. Zeitlich betrachtet verbringt man in der Realität sicherlich mehr Zeit als Arzt in Uniform. Das entbindet niemanden von den jährlichen Schieß-, Marschier,- Sport- und Schwimmleistungen, die zu erfüllen sind.

Das mögliche Spektrum ist aber sehr individuell und abhängig von den Anforderungen des jeweiligen Standorts, des Dienstpostens und natürlich der persönlichen Einstellung.

Würdest du heute etwas anders machen und wenn ja, was?

Wenn ich nochmal in der Entscheidungssituation wäre, würde ich nach meinem Abitur erstmal ein oder zwei Jahre lang reisen. Wir werden später allesamt genug verdienen, sodass wir gut überleben können und da fällt es nicht in die Gewichtung, ob ich 45, 50 oder 55 Jahre arbeite. Und die Zeit als junger, grenzenloser Erwachsener kommt – in der Form zumindest – nicht wieder… Trotzdem bin ich absolut zufrieden und glücklich wie sich bisher alles fügt.

Lieber Lars, vielen Dank für das Gespräch und viel Glück und Erfolg weiterhin!

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